Samstag, 31. Mai 2014

Suderburg hat jetzt eine Radfahrerkirche

Mit einem sehr gut besuchten Regionalgottesdienst wurde am Himmelfahrtstag die St. Remigius Kirche in Suderburg offiziell zu einer Fahrradkirche geweiht. Außer Pastor Dittmar waren auch die Pastoren der benachbarten Kirchengemeinden anwesend sowie Frau Pastorin Marion Römer aus Hannover. Sie ist Referentin der Landeskirche für "Kirche im Tourismus". Der Posaunenchor untermalte den Gottesdienst.
Eine Radwegekirche, so die offizielle Bezeichnung, ist in den Sommermonaten tagsüber verlässlich geöffnet. Sie bieten einen geeigneten Platz für Ruhe, Rast, Zugang zu Trinkwasser und Informationen zur Ortsgemeinde, zu Fahrradwerkstätten, eBike-Ladestationen, fahrradfreundliche Bett+Bike-Gasthäuser usw. Zudem müssen Abstellmöglichkeiten für die Fahrräder vorhanden sein.
Ermöglicht hat die Anerkennung als Fahrradkirche der kirchliche Umwelt-Arbeitskreis "Grüner Hahn". Die Gruppe ist dabei, einen Flyer mit den Informationen zu veröffentlichen. Vielleicht kann sogar ein Automat mit Fahrradersatzteilen wie Flickzeug und Schläuchen aufgestellt werden.
Nach dem Gottesdienst wurde "unter dem Turm" gefeiert. Neben drei geführten Radtouren wurden Kaffee und Kuchen und Bockwürste angeboten. Eine Ausstellung von Pedelecs mit fachkundiger Beratung und der Möglichkeit, endlich mal ein eBike zu testen, rundeten das Programm ab.
Suderburgs Bürgermeister Hans-Hermann Hoff dankte den Initiatoren und ist begeistert von der Fahrradkirche: " Eine gute Ergänzung unseres touristischen Angebots. Jetzt geht es darum, die Fahrradkirche mit anderen Angeboten zu vernetzten. Dazu gehört auch der geplante neue Infoflyer über den Tourismus im Suderburger Land."
Infos zu Radwegekirchen: www.radwegekirchen.de

Auf dem Foto: Pastor Dittmar und Pastorin Römer vor dem neuen Schild.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Verwirrungen auf der Weide

Diese drei freundlichen Gesellen traf ich neulich kurz vor Bohlsen an. Sie geben zwar keine Milch, aber bei ihrem Anblick fiel mir gleich die Milchbank ein, der beim hölzernen Treppenspeicher im Bohlsener Ortskern steht. Früher gab es in fast jedem Dorf solche Milchbänke, auf denen die großen Milchkannen der Bauern zum Abholen standen. Sie sind natürlich längst aus den Ortsbildern verschwunden.

Die Milchbänke waren beliebte Treffpunkte, denn beim Warten auf das Milchauto ergab sich bestimmt so mancher Klönschnack. Heute werden die großen Aluminiumkannen - hin und wieder mit nostalgischen Heidemotiven verziert - gerne als Deko in den Vorgarten oder in die Diele gestellt.

Den drei Burschen auf der Weide ist das vermutlich herzlich egal, sie interessieren sich weniger für die Ortsgeschichte und mehr fürs Grünzeug. Der Braungescheckte muss zwischendurch allerdings irgendwie etwas durcheinander bekommen haben. Oder sind das Rangkämpfe unter jungen Wilden? Oder Pubertätsverwirrungen?
Na ja, er war ganz schnellt wieder friedlich und graste mit seinen Brüdern weiter.

Dienstag, 27. Mai 2014

Hermann Löns stille Stunde


Einen Busch von goldenem Ginster
Hieltest du in deiner Hand,
Den ich an dem Hünengrabe
Zur Erinnerung dir band.

Zur Erinnerung an die Stunde,
Die in uns noch lange glüht,
Wenn an deinem Ginsterstrauße
Alle Blumen sind verblüht.

Was mag der Dichter wohl mit diesen Zeilen gemeint haben? Hermann Löns, ebenso bewundert wie geschmäht, erweist mit seinen Zeilen nicht nur dem gelb blühenden Ginster die Ehre, sondern auch der Erinnerung an eine ganz besondere Stunde. Ich tippe mal auf eines seiner amourösen Abenteuer, von denen Touristenführer noch heute gerne erzählen.
Der Einzelgänger und Sonderling kam oft von Hannover, wo er seit 1892 als Redakteur arbeitete, in die Lüneburger Heide, um Ruhe zu finden und zu entspannen. Der von ihm gepriesene Ginster ist wie das Heidekraut eine typische Pflanze unserer Gegend, denn er gedeiht auf den hiesigen mageren Böden. Aus den Zweigen wurden früher Besen gemacht, deshalb nennt man Ginster auch Besenstrauch.
Doch Vorsicht: Ginster ist sehr giftig.
Ein Hünengrab wie in Hermann Löns Gedicht habe ich gerade nicht parat, deshalb nehme ich einfach ein Foto vom Findling unseres Golddorfes Bohlsen, das im vorigen Jahr den Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" gewonnen hat. In der neuen Runde sind wieder zwei Dörfer aus dem Suderburger Land dabei: Hösseringen und Böddenstedt.

Sonntag, 25. Mai 2014

Radfahren ohne Nasenfahrrad

Falls jemand seine Lesebrille Stärke 2,0 sucht, sollte er einmal darüber nachdenken, ob er dieser Tage durchs Räberspringbachtal gewandert ist. Ich bin nämlich heute mit Momo auch dort unterwegs gewesen und gerade als eine Gruppe Radfahrer an mir vorbei gedüst kam, habe ich das braune Nasenfahrrad auf einem Grenzstein liegen sehen.
Ich habe die Brille einfach dort liegen lassen, denn auch ohne Sehhilfe war der Gang entlang des Räberspringbaches in Richtung Unterlüß sehr schön.
Das Bachtal ist tief eingeschnitten. Auf der einen Seite wächst ein lichter Kiefernwald, der forstlich genutzt wird. Rechterhand verlaufen die Bahnlinie, auf der gefühlt alle zwei Minuten ein Zug fährt, und der Weg.
Im Wald stehen die Bäume nicht mehr so dicht. Es wachsen hier und dort Laubbäume auf und der Waldboden ist ein einziges Meer aus Bickbeeren. Hier  muss ich unbedingt zur Blaubeerernte noch einmal herkommen.
Der Räberspringbach schlängelt sich in einem breiten, moorigen Bett zwischen Wald und Wiesen entlang, an einer Stelle kann man über einen Bohlstensteg direkt an den Bachlauf gelangen. Es lohnt sich.

Später des Weges treffe ich auf eine große Pferdeherde. Die neugierigen Tiere kommen gleich angelaufen und freuen sich über eine Handvoll Gras, obwohl sie ja selbst genug haben.
Aber auf der anderen Seite des Zaunes schmeckt es bekanntlich immer besser.
Am Bahnhang wachsen wilde Lupinen auf. Lupinen gehören zur selben Familie wie Erbsen und reichern den Boden mit Stickstoff an. Sie werden deshalb in der Landwirtschaft auch zur Gründüngung verwendet. Vermutlich sind die Samen von den nahegelegenen Feldern an den Hang geweht worden, den die Lupinen nun mit bunten Akzenten verschönen.

Donnerstag, 22. Mai 2014

Rettungsaktion für Vogelküken

Zugegeben, ich finde es ein wenig unmoralisch. Das Verhalten der Kuckucksjungen. Kaum geschlüpft werden sie schon zu Mördern ihrer Nestgenossen, die zudem auch noch die "echten" Kinder ihrer Eltern sind und nicht aus untergeschobenen Eiern schlüpfen wie der junge Kuckuck. Doch was kann dieser schon dafür, dass er ein Findelkind ist?
Und schließlich: Was steht uns Menschen eine Moral zu über die Launen der Natur, wo wir doch genug zu tun hätten mit unserer eigenen?
Kurz und gut - heute haben wir vor dem Vorschauer unseres Hauses drei Vogeljunge gefunden, die ganz bestimmt nicht von selbst aus ihrem Nest im Eulenloch gefallen sind. Bestimmt wurden sie von einem jungen Kuckuck hinausbefördert, der
da drin die elterliche Sorgfalt ganz allein genießen möchte. Eines der drei Küken war schon tot, als wir das Drama bemerkten, zwei weitere Küken lebten noch. Aber nur eines war aktiv und sperrte nach Vogelart den Schnabel auf. Wir haben es erst einmal gefüttert und dann unseren NABU-Vorsitzenden Karl-Heinz Köhler aus Böddenstedt um Rat gefragt.
Herr Köhler teilte uns mit, dass es im Landkreis Uelzen leider keine Institution mehr gibt, die die Vogelkinder aufnimmt. Aber es sei einen Versuch wert, die Kleinen in der Nähe des Nestes gut geschützt abzulegen, denn die Vogeleltern füttern sie dann weiter. Sie hören ihre Kinder rufen. Dass die Berührung durch den Menschen die Eltern abschreckt, ist ein altes Vorurteil. 

Also haben wir die Kleinen wieder hoch oben gut geschützt der Natur überlassen. Alles Gute!

Dienstag, 20. Mai 2014

Apfelernte an der Eiche

Nanu, es ist doch gar keine Apfelzeit. Und wieso wachsen die runden, gelbroten Früchte, die hier so schön der Frühjahrssonne glänzen, eigentlich an der jugen Eiche, die hier am Wegesrand zwischen Hansen und Bohlsen wächst? Vom Essen würde ich jedenfalls abraten, denn es handelt sich um Galläpfel. Gallen sind keine Früchte, sondern Wucherungen an Pflanzenteilen, die das Werk der Gallwespen sind.
Nach der Befruchtung kleben die Gallwespenweibchen ihre Eier auf die Oberfläche junger Eichenblätter. Die schlüpfenden Larven benetzen die Blattrippen mit Speichel, dessen Wirkstoffe dazu führen, dass das Blatt rund um die Larve eine Schutzhülle bildet. Darin entwickelt sich gut geschützt die Nachkommenschaft der Gallwespe, die zudem von ihrem Wirt mit Nährstoffen wunderbar "bewirtet" wird.
Wenn der Baum im Herbst seine Blätter abwirft, segeln auch die Gallen auf den Boden, wo sie sich verpuppen. Zum Winterende im Februar schlüpfen dann die Wespen, die nunmehr ihre unbefruchteten Eier an Eichenknospen ablegen - und daraus entwickelt sich dann die kleine, knospenförmige Galle.
Die Eiche allerdings wehrt sich gegen den ungebetenen Gast. Sie produziert jede Menge Gerbstoffe, die die Nährstoffversorgung der Larven blockieren sollen. Deshalb wurde aus den Gallen früher Gallussäure, die zum Gerben von Leder verwendet wird, gewonnen. Außerdem wird aus den Gallen die wertvolle Eisengallus-Tinte hergestellt, die wegen ihrer Lichtechtheit zum Unterzeichnen von Staatsverträgen verwendet wird.

Sonntag, 18. Mai 2014

Honigernte in der Lüneburger Heide

Gestern hatte ich das Glück, einem Imker bei der Honigernte zuschauen zu dürfen. Es war ein wunderbares Erlebnis.
Die Bienenstöcke in Kastenform stehen im Stahlbachtal bei Böddenstedt, wo die Bienen eine Vielzahl verschiedener Blüten vorfinden. Weil es hier noch so viele Blühpflanzen gibt, können die Bienenstöcke das ganze Jahr über bleiben und müssen nicht
umgesetzt werden, wie etwa an Rapsfeldern oder in der Obstblüte, wo die Bienen nur über einen bestimmten Zeitraum Nahrung vorfinden.

Zunächst werden die Wabenrahmen vorsichtig aus dem Stock entnommen. Darin befinden sich Wachsplatten, die den Bienen zur Erleichterung des Wabenbaus zur Verfügung gestellt werden. Der Imker erleichtert
seinen Bienen damit die Arbeit ein wenig.

Diesjahr konnte die erste Honigernte schon drei Wochen früher erfolgen, denn das Frühjahr hatte es eilig. Die ersten Blüten für die Bienen sind die Weidenkätzchen, gefolgt von all den anderen bunten Frühblühern, auf die sich die Menschen im Winter schon so lange freuen.

Hier sehen wir einen Rahmen mit den vorgefertigten Mittelwänden. Diese sind auch hier in der Region erhältlich, zum Beispiel bei der Firma Müller in Groß Süstedt.
Eigentlich müssten Imker ja eine Bestäubungsprämie bekommen, sind wir uns einig, denn ohne die Arbeit der Bienen würden wir bald kein Obst mehr haben und auch sonst keine Früchte ernten.
Hier sieht man sehr schön den sonnengelben Honig in den Waben. Nach der Entnahme des Honigs kommen die Rahmen wieder in den Stock und die Bienen füllen sie wiederum unermüdlich. Den Bienen bleibt natürlich immer genug Honig zum eigenen Verzehr. Dreimal im Jahr kann ein Imker hier in der Region Honig ernten.
Damit sich die Bienenstiche in Grenzen halten, wird der Bienenstock mit Rauch aus einer Kräutermischung, vor allem aus Rainfarn, besprüht. Die Bienen denken dann, es sei ein Waldbrand ausgebrochen, und bringen sich in sichere Entfernung. Anschließend kommen sie zurück in den Stock. Jede Biene weiß genau, welches Einflugloch ihres ist. Untereinander erkennen sich die Bienen vermutlich am Geruch.

Die Verständigung erfolgt durch den sogenannten Bienentanz. Es gibt den Rundtanz und Schwänzeltanz, den Zittertanz, Schütteltanz und andere Bienentänze. Es ist erwiesen, dass Bienen umfangreiche Erfahrungen und Informationen teilen und austauschen. Wie sie auf ihren kilometerlangen Flügen immer genau den richtigen Weg finden und ihren Artgenossen komplizierte
Wegbeschreibungen mitteilen, ist aber noch nicht  genau bekannt.

Unten im Stock befindet sich ein Gitter, das den Honigraum vom Brutraum trennt, damit in den Zellen, von denen geerntet werden soll, keine Eier abgelegt werden.  Die Königin schlüpft aus einer Waiselzelle.
Es gäbe bestimmt noch viel zu sagen, denn Bienen sind faszinierende Tiere. Beim nächsten Mal berichte ich, wie der Honig ausgeschleudert wird. Bis dann!

Und zum guten Schluss: Vielen Dank Hans-Jürgen!





Donnerstag, 15. Mai 2014

Ganz schön nass sind Rieselwiesen...

Pünktlich zum Fest kam die Sonne heraus und spiegelte sich in den frisch berieselten Rieselwiesen. Die Organisatoren hatten es aber auch verdient. So eine schöne Idee, an den Rieselwiesen zwischen Suderburg und Räber ein Fest zu feiern und dabei an die Anfänge der Suderburger Wiesenbauschule zu erinnern.
Jürgen Baumgarten, der selbst einst an der Suderburger Fachhochschule studiert hat - und am Ellensteen schwimmen gelernt -, führte die vielen interessierten Besucher in die Geschichte des Suderburger Rückenbaus ein - eine Technologie, die in kurzer Zeit in aller Welt bekannt wurde.
Nach der Führung konnten die Kinder am, im und mit dem Wasser plantschen und spielen und die Erwachsenen Kaffee oder andere Sachen trinken und dabei gemütlich plaudern. Wie bestellt war zeitgleich eine Gruppe Studenten der Ostfalia vor Ort. Die jungen Leute nahmen am Olmsbach Wasserproben, um die hiesige Tierwelt kennenzulernen. Keine Frage, Suderburg hat die "erste Universität von Deutschland".
Nun ja, zumindest die erste, an der Ingenieure so gut unterrichtet werden, dass man mit einem Studium "gar nichts falsch machen kann", wie mir ein Student versicherte.
Bürgermeister Hans-Hermann Hoff verkaufte kurzerhand noch jede Menge Broschüren "Wasser, Wiesen, Wischenmaker", die das Museumsdorf Hösseringen über die Geschichte der Wiesenbauschule herausgegeben hat.

Für mich wird das Rieselwiesenfest  als "Fest der nassen Füße" im Gedächtnis bleiben, denn beim Versuch, das optimale Foto zu schießen, machte ich die Erfahrung, dass berieselte Wiesen ganz schön nass werden können...

Sonntag, 11. Mai 2014

Schmucke Dörfer und Sammelleidenschaft

Die Dörfer in der Lüneburger Heide sind besonders schön, weil sie so großzügig angelegt sind. Auf vielen Höfen gibt es mächtige alte Bäume, so wie in Dreilingen. Hier führt der Weg entlang der Alten Poststraße hinaus aus dem Ort.
An einem alten Silo vorbei geht es in die Feldflur. Wer die Augen offen hält, kann hier und dort sogar Zeugnisse von Menschen entdecken, die vor tausenden von Jahren hier lebten oder rasteten.
Wir fanden kürzlich einen Feuersteinabschlag, der bearbeitet sein könnte. Ob es sich wirklich um ein steinzeitliches Werkzeug handelt, oder um einen von der Natur geformten Feuerstein, ist allerdings nicht einfach zu erkennen. Unsere Sammelleidenschaft war jedenfalls geweckt...

Freitag, 9. Mai 2014

Nach dem Regen...

War das ein Wetter heute! Zwischen zwei Regengüssen schaute mal kurz die Sonne durch hier bei uns im Suderburger Land. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um schnell eine Schreibpause zu machen und mit dem Fotoapparat nach draußen zu gehen und ein paar schöne Motive einzufangen.
Derzeit arbeiten wir an unserer neuen Imagebroschüre, die demnächst in Druck gehen soll. Darin möchten wir uns als Region in der Lüneburger Heide natürlich gut präsentieren. Es ist gar nicht so einfach, möglichst viele Informationen in möglichst kurze Texte zu fassen, die dann auch noch kurzweilig zu lesen sind. Aber wir sind dran. Das Ergebnis werden wird dann natürlich auch an dieser Stelle zeigen.

Mittwoch, 7. Mai 2014

1010 Jahre Suderburg

Da hätten wir doch fast ein schönes Jubiläum verpasst: In diesem Jahr wird Suderburg 1010 Jahre alt. Na ja, zugegeben, ein solcher Geburtstag wird in der Regel nicht außergewöhnlich groß gefeiert, aber immerhin. Als wir vor 10 Jahren unseren 1000. Geburtstag gefeiert haben, hat die Gemeinde eine Ortschronik herausgegeben. Autor ist Tilman Grottian und der Verlag ist auch kein unbekannter: Edition :anderweit, worunter sich Mila und Halwart Schrader aus Hösseringen verbergen - ein gutes Gemeinschaftsprojekt also.
Aber zurück zur Dorfgeschichte. Im Jahr 1004 sicherte Kaiser Heinrich II. dem Kloster Kemnade an der Weser in einer Urkunde seinen Schutz zu. Diese Urkunde nun ist für die Suderburger Anlass für die Zählung der Jahre der Existenz ihres Dorfes, denn hier wurde Suderburg zum ersten Mal namentlich genannt: "Sutherburg" gehört zu den Besitzungen, die vor 1010 Jahren dem genannten Kloster gestiftet wurden - wie lange der Ort zu diesem Zeitpunkt schon bestanden hat, darüber können wir natürlich nur spekulieren.
Der Bergfried der ehemaligen Suderburg - heute der Turm unserer Kirche - hat damals bestimmt schon bestanden, er soll zu einer Burg der Billunger gehört haben. Die sächsischen Adligen waren hier in der Gegend ansässig, allerdings starb ihr Geschlecht bereits zwei Jahre nach der ersten Nennung Suderburgs aus - 1006 also. Der letzte männliche Billunger war Herzog Magnus und nach seinem Tod wurde der Besitz aufgeteilt. Das Herzogtum fiel an Lothar von Supplinburg, den späteren Kaiser, mit dem eigentlich kaum jemand gerechnet hatte. Die billungischen Familiengüter kamen durch die Ehen der Töchter an die Askanier und Welfen, die dadurch nicht nur ihre vorherrschende Stellung begründeten, sondern auch einen lange währenden Familienzwist.

Sonntag, 4. Mai 2014

Zehn Jahre lang "mit Buch, Bett und Brot"

Es ist kaum zu glauben: Das Dorfcafé in der alten Schule Hösseringen ist zehn Jahre alt! Aus diesem Anlass feierten Mila und Halwart Schrader mit ihrem Dorfcafé-Team am 1. Mai ein fröhliches Jubiläumsfest mit vielen Gästen.
Man könnte glauben, dass Mila und Halwart Schrader alte Hösseringer sind, aber das stimmt nicht ganz. Die beiden sind 1988 aus München in die Lüneburger Heide umgesiedelt.
Das alte Schulhaus hier in Hösseringen hatte es ihnen angetan - kein Wunder, so schön, wie es bei uns ist. Doch das war es nicht allein: Mila, in Pommern geboren und nach dem Krieg bei Wolfsburg aufgewachsen, hatte nach Jahren in Süddeutschland Sehnsucht nach der alten Heimat Niedersachsen: "Die Gerüche meiner Kindheit, die Kartoffelfeuer und die Weite der Landschaft habe ich immer vermisst."
Also Hösseringen. Die Schraders richten hier ihre ihre ganz individuelle Heim- und Arbeitsstätte ein, gründen den Verlag „anderweit“ und geben Bücher heraus. Auch der verwilderte Garten verlangt nach einer ordnenden Hand, das ist Milas Element. Inzwischen ist – Schritt für Schritt – ein „naturnaher Garten mit Bauerngarten“ entstanden. 2004 kommt dann das Dorfcafé hinzu, "Buch, Bett und Brot“ sind die Stichworte.
Zwischen Bücherwand, Schulerinnerungen und antiken Möbeln frühstücken oder ein dickes Stück Torte genießen und dabei den Blick nach draußen schweifen lassen - so das Konzept. Es ist aufgegangen. Einen Dorfladen betreibt Mila Schrader inzwischen übrigens auch. Und wer diesen betritt, fühlt sich in die Vergangenheit versetzt: Im historischen Fliegenschrank werden ebenso Waren präsentiert wie auf der alten Waage, über den Marmeladengläsern thront der Bienenkorb und Butterstampfer und Schrotmühle erinnern an frühere Zeiten. Brötchen, Butter, Wurst und Käse, viele Waren aus ökologischer und regionaler Erzeugung, sowie Zeitungen und Zeitschriften gibt es hier zu kaufen. Außerdem allerlei schöne Sachen für Kleine und große Menschen.

Freitag, 2. Mai 2014

Postkartenidylle mit Perspektivwechsel

Nein, die Heide blüht noch nicht, auch wenn es hier fast so aussieht. Aber wir sind uns mit Hermann Löns einig, dass die Heide zu jeder Jahreszeit ihren ganz eigenen Reiz hat, auch wenn sie noch nicht in voller Blüte steht.

Über die Heide sind wir gegangen,
Und die Heide war blütenleer,
Goldene Käfer flogen schimmernd
Auf dem Sande vor uns her.

Das schreibt der Heidedichter und auch wir haben im Heidekraut den einen oder anderen Käfer gefunden, der uns zu einem Perspektivwechsel angeregt hat. Es gibt in Europa etwa zehn Arten von Mistkäfern. Hier im Suderburger Land hat man es in der Regel mit dem „Gemeinen Mistkäfer“, dem „Waldmistkäfer“ oder dem „Frühlingsmistkäfer“ zu tun.
Ab und zu aber trifft man einen der seltenen „Stierkäfer“, zu erkennen an den seitlichen Auswüchsen des Halsschildes, die wie „Hörner“ aussehen. Mistkäfer - man ahnt es schon - ernähren sich vor allem von Kot. Für ihren Nachwuchs graben sie umfangreiche Gangsysteme unter der Erde, in die sie neben den Eiern einen Vorrat für die Larven anlegen.