Dienstag, 28. Juli 2015

„Bretter, die den Tod bedeuten“

Bohlser Bühne probt in Böddenstedt neues Stück

„Normal können wir doch gar nicht“, tönt es aus dem Off, während Regisseur Carsten Schlüter behende die drei Holzstufen zur Bühne im großen Saal von „Puck’s Gasthaus“ herauf und herunter flitzt. Ein Text-Schnelldurchlauf ist angesagt und
so klingen die Dialoge, die die Mimen der Schauspieltruppe „Bohlser Bühne“ im gefühlt siebenten Gang herunter rasseln, wie ein Tonband beim Vorspulen. 

Aber keine Sorge, spätestens zur Premiere am 26. September werden ihre Worte wieder im Normalmodus erklingen und die Gäste im Böddenstedter Landgasthaus ganz bestimmt zu
jeder Menge Lachsalven mitreißen.

Denn Autor Carsten Schlüter und seine Mitstreiter warten diesmal mit einer richtigen Schmonzette auf. „Bretter, die den Tod bedeuten“ heißt das Stück, an dem die Laienspielgruppe seit einigen Wochen probt - und zwar mit erhöhter Schwierigkeitsstufe. Denn Carsten Schlüter hat diesmal als besondere Rafinesse ein Stück im Stück ersonnen. Die Schauspieler spielen also Schauspieler - mehr oder minder talentiert der einzelne, aber dafür mit jeder Menge Flausen im Kopf. Allen voran die beiden Kleinstadt-Diven Marietta und Cora, die beide auf jeden Fall die Hauptrolle spielen möchten. Denn eine hat zu-, die andere abgesagt, aufgetaucht sind aber beide. Keine Frage, der Zickenkrieg nimmt seinen Lauf.

Natürlich sind die Beiden nicht die Einzigen, die ihre Befindlichkeiten ausleben. Auch der Regisseur als Regisseur pflegt seinen Ego-Trip: Carsten alias Jerome fühlt sich zu höherem berufen und träumt von alten Tagen an der Landesbühne. Nur schade, dass es dafür nicht gereicht hat. Statt dessen bespielt er nun eine abgelegene Provinzbühne in der Heide, auf der zwei Frauen im Koma um eine überlebenswichtige Organspende wetteifern. Eine von beiden möchte gerne mehr Text sprechen, was sich im Koma allerdings schwierig gestaltet, und die andere hat ihre Rolle so verinnerlicht, das sie meistens die Pause verpasst. Arzt Dr. Henry dagegen ficht die Entscheidung seines Lebens aus. Rettet er das Leben seiner großen Liebe oder doch lieber das der reichten Millionärsgattin? Während er noch zweifelt, verlieren andere Protagonisten das ihrige und als auch noch der Regisseur verschwindet, herrscht Chaos.

Dieses hält sich in Puck’s Probesaal allerdings in Grenzen. Während auf der Bühne die Fetzen fliegen, reicht Inhaber Andreas Phillipps Salat und Pizza herum und wer gerade nichts zu spielen hat, verfolgt das Geschehen bei Pommes und Cola.

Nur zwei Wochen hat Autor Carsten Schlüter am Drehbuch geschrieben, im Kopf hatte er den Plot allerdings schon viel länger. „Ich fand die Idee von der Geschichte in der Geschichte reizvoll, das mag ich im Film auch“, erzählt er. Nach Ostern begannen die Proben. Aufgeführt wird das Stück in diesem Jahr ausschließlich in Böddenstedt. Nur eine Ausnahme will die Theatergruppe machen: Am Theaterfestival in der Jabelmannhalle möchten sie teilnehmen. Ansonsten aber wird nicht gereist, „weil der logistische Aufwand sehr groß war“, erklärt Carsten Schlüter. „Es hat Spaß gemacht, durch den Landkreis zu ziehen, aber es war auch anstrengend.“

Gut für die Böddenstedter, die sich gemeinsam mit ihren Gästen auf einen mörderischen Theater-Spätsommer freuen können, oder - mit dem Worten von Diva Laura, die eigentlich Rosie heißt, auf „Oh Gott, was für ein Schwachsinn!“

Mittwoch, 22. Juli 2015

Die Heide literarisch


Zu einer vergnüglichen Reise durch die literarische Lüneburger Heide lädt der Tourismusverein Suderburger Land am Mittwoch, 5. August ab 19 Uhr in das Haus des Gastes, Räberweg 4 in Hösseringen ein.
Unterwegs wird auch an den Sieben Steinhäusern, in der geheimnisvollen Wacholderheide und beim Heidschnucken-Schäfer Station gemacht. Auch die merkwürdige Geschichte vom Lönsgrab im Tietlinger Wacholderhain – aufbereitet als moderner Heide-Krimi – soll erzählt werden.
Die Vorsitzende des Tourismusvereins Christine Kohnke-Löbert liest Geschichten und Anekdoten aus alten Reisebeschreibungen, in denen die Heide als wüster Landstrich gar nicht gut wegkommt. Hatte doch Conrad von Uffenbach im Jahre 1710 Hösseringen als „elendes Dorf, in dem man nichts zu essen fand“, beschrieben. Und auch Uelzen, inmitten der „übel beschrieenen Lüneburger Heyde“ mit ihren „verzweifelt bösen Wegen“ hinterließ in seinen Reiseerinnerungen keinen guten Eindruck. Auch die Heidjer machten bei vielen Reisenden des 18. Jahrhunderts keine gute Figur. Beschreibungen reichen von schneckenartig bis schwerfällig und ihr Geisteszustand soll ebenfalls zu wünschen übrig gelassen haben...

Natürlich wird auch die nostalgisch verklärte Heide nicht zu kurz kommen, mit Geschichten vom Hünengrab, vom Imker und den Bienen, vom Niedersachsenhaus und endlosen Heideflächen. Ein Exkurs führt zu den Truppenübungsplätzen, den großen Rückzugsgebieten der Calluna Vulgaris, und gar gruselig geht es schließlich im Märchen vom Machandelbaum zu.
Zum Trost gibt es eine Erinnerung an den Film „Grün ist die Heide“ mit auf den Heimweg.

Es gibt einen Imbiss (auch vegan). Der Eintritt ist frei, ein Sparschwein steht bereit.