Dienstag, 23. Februar 2016

Ein Herz für Fledermäuse

Thomas Göllner (l.) mit
Samtgemeindebürgermeister Thomas Schulz
Fledermausbetreuer Thomas Göllner hielt Vortrag in Böddenstedt
Auf Einladung der Böddenstedter Dorfgemeinschaft war der Stadtförster der Stadt Uelzen, Thomas Göllner, mit einem Vortrag zum Thema Fledermäuse zu Gast auf der Bürgerversammlung. „Das Thema ist hier im Ort von einiger Bedeutung“, so Thomas Göllner,
Fledermaus im Museumsdorf Hösseringen
der auch Regionalbetreuer für Fledermäuse im Landkreis Uelzen ist. Er begann seinen Vortrag mit der Frage, was Fledermäuse eigentlich sind? „Fliegende Mäuse, die so lange vom Baum gesprungen sind, bis sie das Fliegen gelernt haben? Oder doch Vögel der Nacht?“ Nein, Fledermäuse sind Säugetiere, ihre Art ist mit 50 Mio. Jahren sehr alt, innerhalb der Säugetiere sind sie eine der artenreichsten Spezies. 19 Arten gibt es allein in Niedersachsen. „Es gibt keine anderen Säugetiere, die fliegen können“, stellte der Experte fest.
Das Gebiss der Fledermäuse ist beeindruckend. „Es ist zum Fürchten - allerdings nicht für uns, sondern für deren Beute“, so Göllner. Einige Arten ernähren sich allerdings nur von Früchten oder von Nektar. Andere verzehren aber auch kleine Tiere. Nur zwei Arten ernähren sich von Blut - die Vampirfledermäuse in Südamerika. Sie erkennen am Geruch, wenn sich ein Tier verletzt hat und lecken dessen Blut auf. Fledermausarten unserer Region dagegen ernähren sich ausschließlich von Insekten. Die größte Art ist das Mausohr mit einer Flügelspannweite von bis zu 40 Zentimetern und einem Gewicht von 25 bis 40 Gramm. Winzig dagegen sind die Zerg- und die Mückenfledermaus.
Um sich zu orientieren, stoßen Fledermäuse Schallwellen aus, die ein Echo zurück werfen, das sie mit den Ohren auffangen können. Daran lesen sie auch ab, ob es sich um ein bewegliches Objekt oder eventuell um eine Futterquelle handelt. Dass sie die Nacht des Menschen dennoch nicht mit Tönen füllen, liegt daran, dass ihre Ultraschallaute für den Menschen im nicht hörbaren Bereich liegen. Mit speziellen Detektoren können sie aber zu Vorführzwecken hörbar gemacht werden. Es gibt auch hörbare Laute, ein Schnarren oder Zwitschern - bei diesen Lauten handelt es um Soziallaute, mit denen sich die Tiere verständigen.
„Spannend ist, wie diese Tiere leben“, so Göllner, der ihren Jahreslauf kurz darstellte. Von Oktober bis März sind die Tiere im Winterschlaf. Dazu ziehen sie sich in Ritzen und Spalten zurück, wo sie sich gut verstecken können - das Winterquartier. In dieser Zeit werden die Körperfunktionen herunter gefahren, die Körpertemperatur sinkt von 37 Grad auf zwei bis zehn Grad, Herzschlag und Stoffwechsel sind verlangsamt. Werden die Tiere gestört, wachen sie auf und suchen sich unter Umständen ein anderes Quartier. Werden sie aber mehrmals geweckt, sterben die Tiere, weil sie ihre Energie nicht wieder auffüllen können.
Im Verlaufe des März wachen die Fledermäuse auf und ziehen in ihre Sommerquartiere um. Hier ziehen sie ihre Jungen auf, in der Regel ein bis zwei Tiere. Bei einer Tragzeit von 45 bis 70 Tagen können Fledermäuse 15 bis 30 Jahre alt werden. Die Männchen halten sich aus der Aufzucht der Jungen übrigens heraus.
Auf ihren Wanderungen zwischen Sommer- und Winterquartieren bewegen sich die Tiere in einem Radius von etwa 20 Kilometern. Unterwegs suchen sie Zwischenquartiere auf, auch für Balz und Fortpflanzung werden besondere Quartiere mit jeweils anderen Ansprüchen besucht. Man unterscheidet Wald- und Hausfledermäuse, die entweder bevorzugt in Baumhöhlen oder in menschlichen Häusern leben.
Zu den Waldfledermäusen gehören die Abendsegler, die Rauhautfledermaus und die Wasserfledermaus. Auch das Langohr kommt in Wäldern vor. Hier brauchen die Tiere entsprechenden Lebensraum, also Höhlen oder Spalten zum Schlafen, sowie Jagdtiere. Gerne nutzen sie verlassene Spechthöhlen. Je nach Art haben Fledermäuse ihre besonderen Jagdgebiete in unterschiedlicher Höhe. Sie machen sich gegenseitig also keine Nahrungskonkurrenz. Gut jagen können die Tiere in Mischwäldern, Schneisen oder auch Gewässern.
In Siedlungen brauchen Fledermäuse kleine Verstecke zum Zurückziehen - und Menschen, die das zulassen. „Alle Fledermausarten unserer Region standen in den 70er Jahren kurz vor dem Aussterben“, so Thomas Göllner. Gründe hierfür sind der Verlust ihrer Quartiere - im Wald besonders durch die intensive Waldbewirtschaftung. Gefährdet sind sie ebenfalls durch die Giftbelastung in der Landwirtschaft, durch Verringerung ihrer Nahrung und durch Giftkontakte in Gebäuden. Aber auch Verkehr und Haustiere trugen zur Dezimierung bei, ebenso wie direkte Störung oder Tötung der Tiere durch den Menschen. Fledermäuse wurden deshalb unter Naturschutz gestellt. Man kann sie aber auch aktiv schützen - durch das Bewahren ihrer Lebensräume wie Mischwälder ohne Gifteinsatz, dafür aber mit Totholz und durch künstliche Quartiere. „Sie machen das hier in Böddenstedt toll“, stellte der Förster mit Blick auf die Böddenstedter Fledermauskästen fest. Allerdings wird nicht jeder Kasten angenommen, denn „Fledermäuse sind wählerisch“. Auch Winterquartiere können angeboten werden, etwa in Kellern mit kleinen Öffnungen oder alten Bauwerken. Wichtig ist es, die Tiere in dieser Zeit nicht zu stören.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Dank an Flüchtlingshilfe

Bürgerversammlung Suderburg lud ein

Für ein volles Haus sorgte die Suderburger Bürgerversammlung am Sonnabend im Gasthaus „Spiller.

Bürgermeister Hans-Hermann Hoff freute sich in seinem Rückblick über leicht gestiegene Einwohnerzahlen. Insgesamt 2759 Menschen wurden 2015 in Suderburg gezählt, eine Reihe der Neubürger sind Studenten der Ostfalia.

Intensives Handeln erforderten im vergangenen Jahr die geflüchteten Menschen, die nach Suderburg gekommen sind und für die dank vieler ehrenamtlicher Helfer ein Klima des Willkommens geschaffen werden konnte. „Für uns ist es sehr wichtig, dass es die Flüchtlingshilfe Suderburg gibt“, so der Bürgermeister, der insbesondere auf den Sprachunterricht, die Ausleihe von Fahrrädern und die Kleiderkammer einging. Die stellvertretende Bürgermeisterin Dagmar Hillmer nutzte die Gelegenheit, um den Suderburgern für ihre Spendenbereitschaft zu danken und um fehlende Dinge zu werben: Hausschuhe, feste Schuhe in den Größen 43, 44, 45, Jogginghosen für schlanke junge Männer, warme Handschuhe, Pullover, Geschirrtücher und Kopfkissen sind jederzeit willkommen. Die Kleiderkammer steht übrigens nicht nur Geflüchteten, sondern allen bedürftigen Bürgern offen. Ein besonderer Dank wurde Martin Tuttas, der maßgeblich am Aufbau der Flüchtlingshilfe beteiligt war, ausgesprochen.
Die Frage von Borvin Wulf, warum Geflüchteten bislang keine gemeinnützigen Arbeiten angeboten worden sind, war zuvor in den Gremien bereits beraten worden. Hier sei die Rechtslage allerdings nicht einfach, so Bürgermeister Hans-Hermann Hoff. Zudem müssten zusätzliche Aufgaben gefunden werden, die nicht den Arbeitsbereich des Bauhofes tangieren. Dies sei jetzt im Winter nicht gelungen.
Nicht geklärt werden konnte die Frage von Dr. Jürgen Wrede nach der Gewerbesteuerpflicht von Windkraftbetreibern.

Voran ging es mit dem Projekt „Freifunk“, für das gemeindliche Immobilien zur Verfügung gestellt worden sind. Rüdiger Biernat nutzte dann auch gleich die Gelegenheit zu der Frage, ob im Rahmen der Kanalsanierung in Hösserigen Glasfaserkabel verlegt werden.
Als wichtiges gemeindliches Anliegen ging der Bürgermeister auf die Unterstützung des Tourismus ein. Der Gemeinderat hatte sich im vorigen Jahr mit Verbesserungen rund um den Hardausee beschäftigt. Als „Glücksfall“ lobte Hoff das Engagement der Betreiber des dortigen Kiosks, Patricia Holm und Andreas Koch, die ihre erste Saison erfolgreich gemeistert haben. Anschließend gab Rainald Müller den Rechenschaftsbericht aus der Verwaltung.

Montag, 1. Februar 2016

„Umbach soll Suderburg bekommen“



Ehemaliger Präsident der Ostfalia Hochschule zum Ehrenbürger ernannt

Wolf-Rüdiger Umbach, der bis 2013 Präsident der Ostfalia Hochschule war - und für die Suderburger der „Retter“ ihres Hochschulstandortes ist -, ist zum Ehrenbürger von Suderburg ernannt worden.

Die Initiative für diese Ehrung ging von den Suderburger Bürgern Dieter Schwerdtfeger, Günter Breiholz, Jürgen Janssen, Erich Kelle, Fritz Lange, Dietrich Meyer, Bernd Peiser, Hans-Heinrich Peters, Benno Schermeiser und Jürgen Wrede aus, die im Mai des vorigen Jahres einen entsprechenden Antrag beim Gemeinderat gestellt hatten. Damit liefen sie offene Türen ein, der Rat der Gemeinde stimmte im Oktober 2015 einstimmig zu – für Bürgermeister Hans-Hermann Hoff „ein gutes Beispiel, dass direkte Demokratie in Suderburg funktioniert.“ Hoff hielt im Rahmen der Bürgerversammlung am Sonnabend die Laudatio. Nachdem die Ernennung zunächst in kleinem Rahmen erfolgt war, sollte der festliche Akt nun mit den Suderburger Bürgern nachgeholt werden.

Wolf Rüdiger Umbach, „der sportliche Ritter (oder Retter) aus den Braunschweiger Landen“, wie es der Bürgermeister launig formulierte, betrat 2009 die Bühne, um die „siechende Suderburger Schönheit zu neuem Leben zu erwecken“. Als damals die Entscheidung zwischen Leuphana Lüneburg und Umbachs Plänen zu treffen war, war man sich hier einig: „Umbach soll Suderburg bekommen.“ Die Kehrtwende gelang. „Alle Prognosen sind eingetreten“, so Hans-Hermann Hoff - und die Bürgerinnen und Bürger quittierten dies mit Beifall. Mit der neuen Fakultät „Soziale Arbeit“ hatte Umbach den Hochschulstandort nicht nur vor wirtschaftlichen Flauten in der Bauwirtschaft, die auch immer einen Rückgang der Studentenzahlen mit sich gebracht hatten, geschützt, sondern auch dem gesellschaftlichen Miteinander neue Impulse verliehen. Studenten waren bereit, sich um das Jugendzentrum zu kümmern und auch einige Projekte mit dem Museumsdorf konnten dank der Zusammenarbeit mit der Ostfalia verwirklicht werden.

Aber auch die „alten“ Studiengänge profitierten vom Aufwind der Bildungsstätte und konnten sich über steigende Studierendenzahlen freuen. Ebenso die Bauwirtschaft: In der Amtszeit Umbachs wurden allein in Suderburg acht Millionen Euro verbaut. Kein Wunder, dass Umbach neben der Ehrenbürgerwürde auch der Sondertitel „Retter des Hochschulstandortes Suderburg“ verliehen wurde. „Wir haben eine unglaublich motivierte Mannschaft, es war für mich eine Freude in Suderburg zu arbeiten“, fasste es der Neu-Ehrenbürger zusammen. „Ich wünsche dem Standort alles Gute für die Zukunft und bedanke mich für die große Ehre“.